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In Deutschland ist Zwangsarbeit erlaubt und wird immer noch großflächig verordnet – in den Justizvollzugsanstalten. Welche Auswirkungen hat die Zwangsarbeit im Knast auf die Gefangenen? Welche Auswirkungen hat sie auf die Familie draußen? Einen zusammenfassenden Überblick gibt uns im folgenden Kai Rollenhagen, Sprecher der GG/BO Sehnde.

  1. Außerhalb der Justiz sind wir unseren Kindern gegenüber unterhaltsverpflichtet. Im Umkehrschluss sind also – wie draußen – unsere Kinder unsere ersten Gläubiger. Die Justiz stellt sich dazwischen und schöpft unsere Produktivität ab und unsere Kinder sind automatisch sozial benachteiligt. Draußen kann man Millionenschulden haben und die Kinder sind als Erste dran, wenn man Geld verdient. Hier kann man keinen Unterhalt zahlen und wenn man in der Altersarmut ist, versucht der Staat die Kinder zu verpflichten, für uns zu zahlen. Die größte Sauerei, die es geben kann!

  2. Jeder fordert Reue und Wiedergutmachung vom Straftäter, dabei macht das perfide System die Zahlung von Entschädigungen völlig unmöglich.

  3. Wer Schulden hat – und das sind im Knast die meisten – geht in die Privatinsolvenz und die Gläubiger setzen die entgangenen Summen wegen der niedrigen Rückzahlungsquoten von der Steuer ab. Also zahlt de facto der Steuerzahler unsere Schulden, obwohl wir zur Vollzeitarbeit gesetzlich verpflichtet werden.

  4. Die fehlenden Rentenbeiträge führen dazu, dass trotz staatlich verordneter Vollbeschäftigung die Inhaftierten in die Altersarmut getrieben werden. So zieht sich der Staat die Rückfalltäter selbst heran. Herzlichen Glückwunsch zum Erhalt der Justizarbeitsplätze!!!

  5. Lebenslängliche sind theoretisch bis zum Tode inhaftiert und können daher auf Auszahlung der gesammelten Tage „Freistellung als Anerkennung der Arbeit“ alle 10 Jahre pochen, weil sie ja theoretisch nicht mehr rauskommen.

Trotzdem werden sie verpflichtet, obwohl sie nie Arbeitslosengeld bekommen werden, in die Arbeitslosenversicherung einzubezahlen. Im Knast gibt es kein Arbeitslosengeld, wer nicht arbeitet der kann Taschengeld beantragen.
Wer aber außerknastliche Einkünfte hat kriegt niemals Taschengeld oder Arbeitslosengeld, obwohl er gezwungen wird, von seinem lächerlichen Lohn in die Arbeitslosenversicherung einzuzahlen. Also Abzocke.

Alle diese Punkte müssen dazu führen, dass Gefangene Mindestlohn und Rente bekommen, insbesondere damit ihre Kinder nicht benachteiligt werden. Der Geruch von Sippenbestrafung wie im Dritten Reich liegt in der Luft.
Die Arbeitskraft eines Mannes gehört seinen Kindern und nicht seinen Sklaventreibern. Ich entschuldige mich hiermit ausdrücklich bei Julia, weil sie unser Kind aufopferungsvoll alleine ernährt und erzogen hat. Danke Julchen!

Kai Rollenhagen
c/o JVA Sehnde
Schwedebruch 8
31319 Sehnde

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Die medizinische Versorgung in der JVA Sehnde ist mangelhaft, psychischer Druck auf Gefangene ist an der Tagesordnung, Repression allgegenwärtig. Ein Kurzbericht aus dem Inneren der Anstalt.

Desaströse medizinische Versorgung

Kai Rollenhagen, Sprecher der GG/BO in Sehnde, berichtet: „Aufgrund eines Arbeitsunfalles in der JVA Celle bin ich seit 7 Jahren gehbehindert und wollte mir deshalb orthopädische Einlagen besorgen. Dies wurde mit dem Hinweis verboten, die JVA sei zuständig. Daraufhin musste ich mehrere Monate auf die Einlagen warten und Schmerzen bei der Arbeit ertragen.“

„Ich bin mit 12 Jahren Haft in 5 verschiedenen Anstalten meiner Meinung nach in der Lage, zu beurteilen, auf welchem Niveau im Vergleich sich die JVA Sehnde befindet und behaupte, dass ein so katastrophaler Zustand einzigartig ist.“
— Kai Rollenhagen, GG/BO Sehnde

Medikamente werden auf 2-3 Wochen verschrieben. Immer wieder kommt es vor, dass Gefangene, obwohl sie sich pünktlich zum Arzt gemeldet haben, nicht rechtzeitig einen Termin bekommen. So kann es passieren, dass Gefangene tagelang ohne ihre, dringend benötigten, Medikamente leben müssen. In mindestens einem Fall wurde erst nach der Drohung, die Staatsanwaltschaft einzuschalten, mit der Medikation fortgefahren.

Uns ist der Fall eines Gefangenen bekannt, der seit über 5 Monaten vergeblich auf eine Brille, für die tägliche Arbeit am Bildschirm, wartet.
Patientenverfügungen werden, nach Auskunft eines Sanitäters, grundsätzlich nicht respektiert.

Ist man krank, muss man trotzdem arbeiten gehen, bis man zum Arzt abgerufen wird, was bis zu 4 Wochen dauert. Geht man ohne ärztliche Genehmigung nicht arbeiten, muss man 340€ pro Monat an Haftkosten bezahlen, obwohl man kein Einkommen hat.

Gefährliche Arbeitsbedingungen und psychischer Druck

Drogenabhängige Gefangene werden, im Zuge der Substitution, morgens mit Methadon oder Ähnlichem vollgepumpt und arbeiten danach in den Betrieben der JVA – teilweise auch an Maschinen, manche gar als Maschinenführer, obwohl dies mit Betäubungsmitteln im Blut hochgradig gefährlich sein kann und die Legalität zumindest zweifelhaft ist.

Gefangene werden von einem Beamten gezwungen, an Wochenenden „freiwillig“ zu arbeiten. Eine Anzeige ist gestellt, das Ergebnis lässt noch auf sich warten.
Die Ausübung psychischen Drucks auf Gefangene, um zu manipulieren und einzuschüchtern, ist an der Tagesordnung und in der JVA Sehnde besonders methodisch aufgebaut. Das Individuum soll, durch einheitliche Vorschriften, in allen denkbaren Bereichen ausgeschaltet werden, was einer Resozialisierung zum selbstständigen Menschen krass entgegensteht.

Scan: „Verhängung von disziplinarischen Ahndungen“

Selbst friedlicher Protest wird rigoros unterbunden. Weil Kai Rollenhagen, Sprecher der GG/BO in Sehnde, zum Sport ein T-Shirt mit der Aufschrift „Brigitte“ (vorne) und „Mutti lügt beim beten“ (hinten) trug, darf er für 3 Monate nicht an gemeinschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen, mit der Begründung, er hätte „das geordnete Zusammenleben innerhalb der Anstalt […] empfindlich gestört“.
Die im Dokument genannte Bewährung ist Augenwischerei, da jede Disziplinarstrafe automatisch 3 Monate Sportverbot und weitere Repressalien nach sich zieht.

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